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bis zur Kerb am 27.10.2017


Unsere Rituale

Im Laufe der Jahre haben sich die Kerbborsche viele Rituale ausgedacht, alt hergebrachte fallen gelassen oder neu für sich entdeckt. In der heutigen Zeit gibt es Rituale, die von den Bürgern gerne gesehen werden und welche, die sich für das „Überleben“ der Kerbborschetradition als wichtig herauskristallisiert haben.

Das Binden des Kerbkranzes

Der Kerbkranz hieß früher Jungfernkranz und wurde von den Borsche für ihre Liebste gebunden und z.B. auf dem Rücken an einer Heugabel zum Haus ihrer Eltern getragen. Das war so etwas wie ein Heiratsantrag und das Einholen der Erlaubnis um ihre Hand anhalten zu dürfen. Zu einer späteren Zeit wurde der Kerbkranz von den Kerbwirten an ihren Wirtshäusern angebracht. Damit zeigten sie an, hier feiern wir die Kerb „Uns iss die Kerb“. Heutzutage hängt ein großer Kranz unterhalb der Krone des Kerbbaums und bildet das Dach für die Kerbbobb, kleinere Kränze zieren eure Kerbzentrale und die Gaststätte der Kerbeltern auf Lebenszeit.

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Der Kerbkranz wird wie früher von Männerhand aus Selleriekraut gewickelt und mit bunten Bändern behängt. Frauen dürfen dabei niemals Hand anlegen!

Kerbbobb bauen

Die Kerbbobb ist das Heiligtum eures Kerbborschejahrgangs und steht unter ihrem Schutz. Sie wird immer am Samstag – 2 Wochen vor der Kerb gebaut. Dies ist reines Männerritual!

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Nach der Fertigstellung wird die Kerbbobb im Dunkeln unter Verschluss gebracht, um sie vor fremden Einblicken zu schützen. Ihr Name wird bis zum Kerbantrinken geheim gehalten.

Kerbbaum holen und stellen

Seit ca. 1950 ist der Kerbbaum wieder das Wahrzeichen der Kerb in Dietzenbach. Mittags am Kerbfreitag fahren die Kerbborsche, Altkerborsche, erfahrenen Helfer und dem „1. Dietzenbacher Baumstellregiment“ in den Wald um eine möglichst gerade gewachsene Fichte zu fällen. Nach diesem körperlichen Akt wird das beliebte „Hängebauchschwein“ getrunken. Der Kerbbaum wird dann z.B. mit Traktor und Rolle und viel, viel Gesang durch die Stadt zum Aufstellplatz gebracht. Dort angekommen wird der Baum mit dem Kerbkranz geschmückt und die Kerbbobb findet ihren angemssenen Platz unterhalb des Kranzes. Der Baum wird zusammen mit allen Helfern mit Hilfe von Stangen, Leitern und Seilen aufgestellt. Traditionell gibt es nach der schweren Arbeit ein gepflegtes Bier und leckere Erbsesupp für alle Beteiligten.

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Kerbansprache

Die Kerbansprache eröffnet die Kerbzeit. Hierzu versammeln sich die Kerbborsche in ihrer Tracht mit Fahne, Bembel und Gefolge vor der Kerbzentrale. Jeder erhält vom Kerbvadder einen gefüllten Henkelmann. Der Kerbparre hat seine Bibel und sein „Weihwerkzeug“ dabei, denn er wird jetzt die Kerbansprache halten. In dieser Ansprache werden traditionell lokale Ditzebäscher Begebenheiten auf die Schippe genommen. Nach der Rede wird die Kerbbobb getauft.

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Am Ende der Kerbansprache folgt ein festgelegtes Ritual. Der Parre nimmt ein Schnapsglas und steigt auf eine Leiter. Es folgt der Spruch:

Ich bin die Leider nuffgestiehe und steih es ach widder nunner.
Doch wenn dies Glässchen nicht zerbricht, feihern wir unsere Kirchweih nicht
“.

Dann trinkt er das Gläschen aus und wirft es zu Boden. Anschließend steigt er wieder runter und ruft:

„Im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter. […] Dick is de Stempel a noi muss er doch“.
Es folgt das Kerblied und ein „Wem is die Kerb?“ und die Borsche rufen lauthals „UNSER!“.

Die Kerb ist nun offiziell eröffnet!

Im Anschluss findet ein geselliges Beisammensein in der Kerbzentrale statt.

Taufe der Kerbbobb

Die namenlose Kerbbobb erhält während der Kerbansprache ihren angedachten Namen. Diese Taufe übernimmt der Kerbparre. Ab diesem Zeitpunkt wacht die Kerbbobb hoch über dem Kerbplatz über das Kerbtreiben.

Einsegnung

Mit der Einsegnung bringt der Kerbparre seinen Segen aus. Dies kann während der Kerb jederzeit stattfinden, meist jedoch nur während der offiziellen Ansprachen. Dazu benötigt er sein „Weihwerkzeug“. Ein mit Wasser gefüllter Eimer, und eine Kloberscht (Offiziell die aal Berscht vum Grottewirt.

„Der Hutmacher behüte Euch
Der Schirmmacher beschirme Euch
Der Geschützmacher beschütze Euch
Der Hund hebe das linke Bein und gebe die heilige Taufe“

 

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Der Parre besprenkelt unter Aufsagung der alten Weisheiten die zu segnenden Personen.

Frühstück einholen

Angelehnt an eine schöne Sage läuft in Dietzenbach die Zischeunern am Kerbsamstagmorgen mit den Kerbborschen durch die Altstadt. Dort erbettelt sie das Frühstück für sich und „ihre Kinnern“

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Kneiptour

Die Dietzenbacher Kerb ist traditionell eine „Kneipenkerb“. Wahrscheinlich aufgrund des meist nasskalten Wetters im November haben unsere Ahnen diese Art des Feierns gewählt. In fast allen Wirtschaften des Ortes wurde die Kerb gefeiert und einige Wirte stellten ihre Kneipe den jungen Stammgästen als Kerbkneipe zur Verfügung. Es gab Kerbborsche von der Linde, von der Milchküsch, vom Löwen und so weiter. Diese Kerbborschegemeinschaften hegten doch eine gewisse Rivalität gegeneinander und besuchten sich gegenseitig in ihren Wirtshäusern. Es gab Wettsingen, Wetttrinken und wahrscheinlich einiges, was wir gar nicht wissen wollen. Heutzutage sind die Wirtshäuser rar geworden. Nichtsdestotrotz halten die Kerbborsche an diesem Ritual fest. Sie ziehen am späten Samstagnachmittag mit guter Laune, Bembel, Fahne und vielen Liedern von Kneipe zu Kneipe. Dort stecken sie mit ihrer Feierlaune die anderen Gäste an.

Sängerfrühschoppen

Am Montagmorgen treffen sich die Sänger der Dietzenbach Chöre zu ihrem Kerbfrühschoppen. Manchmal feiern sie alle gemeinsam, manchmal auch getrennt. Der Kerbverein hat dazu die Chöre in den letzten Jahren in die Kerbzentrale oder andere passende Räumlichkeiten eingeladen. Sie singen die alten Lieder, die sonst nirgendwo zu hören sind. Dazu gibt es leckere Mettbrötchen, Hering mit Quelldene und natürlich viele gute Sachen, um die Stimmen zu ölen.

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Es gibt kaum eine andere Zusammenkunft in Dietzenbach, wo sich alte und junge Menschen zum Singen, Essen und Trinken so nah kommen und gemeinsam ihren Spaß haben.

Kerbschoppen im Gemeindehaus

Am Kerbdienstag, dem letzten Kerbtag, veranstaltet die Christusgemeinde, also die Gemeinde unseres „Geburtstagskinds“, im Gemeindehaus ihren Kerbschoppen. Viele Menschen versammeln sich dort zum leckeren Hackbraten und erfrischenden Getränken.

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Kerbverbrennung mit Grabrede und Leichenschmaus

Am Dienstagabend wird das offizielle Ende der Kerb zelebriert. Die Kerbborsche haben mittlerweile die Kerbbobb vom Kerbbaum geholt oder von Dieben ausgelöst.

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Der Kerbparre trägt die Grabrede vor. Dabei wird er die Geschehnisse der Kerb erzählen und segnet die neuen Kerbborsche ein. Nach der Grabrede wird die Kerbbobb mit den Fackeln entzündet. Die Kerbhüte werden abgenommen und eine tiefe Trauer überkommt alle anwesenden. Während die Kerbbobb in Rauch aufgeht, singen alle Anwesenden das Kerblied. Im Anschluss legen die Kerbborsche ihre Hüte und Schärpen ab. Jetzt sind sie „Alt“-Kerbborsche.

Parre Zottel – 2015

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