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Wie das Amen in der Kirche (2004)

Notizbuch der Woche

Wie das Amen in der Kirche

Wie das Amen in der Kirche foto

Von Norman Körtge


Die Kerb ist tot, es lebe die Kerb! Vor allem der zweite Teil des Ausspruchs traf in diesem Jahr zu – wie schon lange nicht mehr. Denn rechtzeitig zum 250. Kirchweihfest lebten in der Kreisstadt wieder Traditionen auf, die viele – vor allem “Eingeplackte” und jüngere Menschen – nur noch aus Erzählungen älterer Dietzenbacher kannten: Allen voran das feuchtfröhliche Treiben der „Kerbborsche“’. Manche Bürger wussten noch nicht einmal den Grund, warum sich jedes Jahr Ende Oktober die Landwehrstraße und der Harmonieplatz in eine nach Popcorn, Mandeln und Zuckerwatte duftende Kerbstraße verwandelte, in der die unterschiedlichsten Schausteller ihre Geschäfte aufgebaut hatten. So erinnert sich der Kolumnist an eine – sicherlich nicht repräsentative – Umfrage, die er vor einigen Jahren unter den Rummel-Besuchern durchführte. Die wenigsten konnten die Frage beantworten, warum die Kerb gefeiert wird. Stirnrunzeln und Achselzucken waren die häufigsten Antworten. Dabei steht der Grund für eben dieses “Fest der Feste”, wie es Heimatforscher Heinrich Jakob Berz in seinen Erinnerungen genannt hat, nur etwa hundert Meter Luftlinie entfernt: die Christuskirche, welche eben vor 250 Jahren, am 27. Oktober 1754, eingeweiht wurde. Wenn man den Chronisten glauben darf, säumten damals tausende von Menschen aus  Dietzenbach und Umgebung die Straßen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich eine ausgefeilte Kerbtradition, die aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer mehr ausgedünnt wurde. Zwar gab es die ganze Zeit über einige wackere Traditionalisten in der “Licher Pilsstube” oder beim “Kerbschoppen” der Christuskirche sowie einige weitere Vereine, die die Kerb feierten. Doch all dies passierte zuweilen ohne großes Aufsehen in der Bevölkerung. Eben nicht so wie etwa in der Nachbarkommune Dreieich. Umso erfreulicher, dass die “Kerbborsche”, die bereits vor mehr als 20 Jahren das Amt ausübten, in diesem Jahr aus der Not eine Tugend machten und sich anlässlich des Jubiläums mit schwarzer Hose, weißem Hemd und roter Schärpe – nicht zu vergessen ihrem Durst – wieder unter das Volk mischten. Freilich in abgeschwächter Form, denn aus den jungen Männern von einst sind inzwischen Herren im gesetzten Alter geworden. Ihr Einsatz hat sich gelohnt: Den Kerb-Senioren ist es gelungen, in der modernen Kreisstadt ein Stück Brauchtum zu neuem Leben zu erwecken. Und nicht nur das: Als Kerbpfarrer riefen Reiner Wagner, Rainer Rill und Peter Maul auch die Kirche wieder ins Gedächtnis zurück – wenn zuweilen auch auf eine veralbernde Art und Weise. Aber dies gehört offenbar dazu wie das Amen in der Kirche. Bleibt zu wünschen, dass die am Dienstagabend mit einer Klobürste “eingesegneten” Kerbburschen 2005 in die traditionellen Fußstapfen treten. An der Einstellung scheint es nicht zu mangeln. “Party ohne Ende” erhoffen und versprechen sie für das nächste Kirchweihfest. Die Kerb ist tot, es lebe die Kerb!

 

 

Quelle: leider unbekannt

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